Emotionen und Körpererleben
Nicht nur Geist und Psyche beeinflussen den Körper, sondern der Körper hat auch Auswirkungen auf unseren Geist, unsere Stimmungen und Emotionen. Eine bestimmte Körperhaltung, Mimik oder Gestik beispielsweise kann vorübergehend zu einem depressiven Gefühl führen, ohne dass diesem dazu passende Gedanken vorausgegangen sind.
"Embodiment" meint den Kreislauf zwischen Körper, Psyche und Geist
Wir befinden uns durchgehend in einem Wechselspiel zwischen unserem Körper, unserer Psyche und Geist, und den Erlebnissen im Außen.
Der Körper handelt von sich aus intuitiv.
Doch Intuitives Handeln wird oft im Laufe der Sozialisation verlernt. Intuitive körperliche Reaktionen kann man noc häufig bei Kindern beobachten, die bei großer Aufregung oder Freude zappelig werden oder zu zittern beginnen. Leider lernen die meisten Menschen mit zunehmendem Alter, welches Verhalten sozial angemessen (also funtional) ist und welches nicht. Zittern und zappelig werden, ebenso wie Weinen, wird als ein Zeichen von Schwäche bewertet, und trotz der gesunden Wirkung unterdrückt.
Wird der körperliche Ausdruck allerdings unterdrückt, bleiben die körperlichen Anspannungen bestehen, und können sich darüber hinaus mit der Zeit verstärken. Chronischer Stress macht krank.
Das Körpergedächtnis
Der Körper verarbeitet erlebte Erfahrungen und speichert sie in einem Körpergedächtnis ab. Wir können uns an viele Erfahrungen erinnern, sie mittels Kraft von Gedanken hervorholen und anschauen. Dabei kann es sein, dass mit der Erinnerung an ein schwerwiegendes Erlebnis auch ein Gefühl von Schwere in unserem Körper aufsteigt. Der Zugang zum Körpergedächtnis funktioniert allerdings nicht vorrangig durch den Geist, sondern viel mehr durch das Erleben und Spüren des eignen Körpers, wie zum Beispiel durch Berührungen oder Bewegungen.
Ebenso kommt es vor, dass der Körper sich Handlungsmuster aneignet, die einen Sinn in einer bestimmten Lebensphase ergeben, die jedoch in anderen Lebensphasen belastend und hinderlich sein können.
So hat es zum Beispiel eine sinnvolle Schutzfunktion für das Kind, sich klein und unauffällig zu machen, wenn die Eltern heftig streiten. Im Erwachsenenalter verliert dieses angeeignete Muster nicht nur seinen Sinn, sondern beeinträchtigt das körperliche und psychische Wohlbefinden. Es gibt eine Vielzahl von körperlichen als auch psychischen Denk- und Verhaltensmustern, die, wie im Beispiel, in der Kindheit sinnvoll waren, in der Gegenwart jedoch ihren Sinn nicht mehr erfüllen
Der Körper als Resonanzraum
Dem Körper wohnt ein reiches Lösungs- und Ressourcenpotenzial inne, dessen sich die eigene Psyche in der Regel nicht bewusst ist. Während der Körperarbeit können die Ressourcen entdeckt, gefestigt und entwickelt werden. Dabei baut die Arbeit auf dem Grundsatz auf, dass alle Menschen die meisten Ressourcen, die sie zur Lösung ihrer Probleme benötigen, bereits selbst in sich haben.
Denn der eigene Körper ist eine riesige Ressource, ein Raum voller Erfahrungen und Wissen. Zudem kann der Körper als Resonanzraum für das eigene Erleben verstanden werden, da er bei jedem (neuen) Erlebnis dabei ist und auf seine spezifische Art und Weise reagiert.
In der Körperarbeit werden Muster und Körperwissen bewusst gemacht. Unbewusste Erfahrungen können dem Geist dabei über den Körper zugänglich gemacht und bearbeitet werden. Dies ermöglicht sowohl neue Zugänge zu sich selbst als auch die Ausbildung neuer neuronaler Netzwerke im Gehirn.